Referenz · Version 1.0

Jeder redet über Remake-Raten.
Keiner sagt, was er zählt.

Deshalb lassen sich die Zahlen der Branche kaum vergleichen, und zwar nicht, weil sie falsch wären, sondern weil zwei Labore mit demselben Wort zwei verschiedene Dinge messen. Hier stehen neun Definitionen. Datiert, versioniert, frei zum Zitieren, auch gegen mich.

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Kennzahlen, bei denen festgelegt ist, was mitzählt und was nicht.

Version 1.0 · Stand 5. August 2026 · Änderungen werden unten protokolliert, nicht stillschweigend eingebaut.

Frei verwendbar · keine Anmeldung · keine Quellenangabe nötig

Zwei Techniker an der Fräsmaschine, einer prüft am Tablet die Werte. Illustration im Polygon-Stil.

Gleiche RechnungNur Zahlen mit derselben Definition lassen sich vergleichen.

Warum diese Seite existiert

Eine Zahl ohne Definition
ist eine Meinung mit Komma.

Auf jeder Messe hört man Remake-Raten. Zwei Prozent, fünf Prozent, „bei uns praktisch null“. Was keiner dazusagt: Rechnet er interne Nacharbeit mit? Zählt er Fälle oder Einheiten? Zählt die Neuanfertigung mit, wenn sich die Ausgangslage in der Praxis geändert hat? Je nach Antwort verschiebt sich dieselbe Realität um mehrere Prozentpunkte.

Wir haben lange nach einer gemeinsamen Grundlage gesucht und keine gefunden. Also schreiben wir eine auf, nicht weil sie die einzig richtige ist, sondern damit es überhaupt eine gibt, an der man sich reiben kann.

Definitionen sind das billigste Branchengut, das es gibt, und trotzdem stellt sie keiner bereit.

Diese Seite ist ausdrücklich zum Kopieren gedacht. Nimm sie ins QM-Handbuch, ins Verbundprotokoll, in den Fachartikel. Du musst mich nicht nennen. Wenn du eine Definition für falsch hältst, ist das die nützlichste Rückmeldung, die es gibt. Dann steht in Version 1.1 deine drin.

Die drei Festlegungen, die über allem stehen

Bevor die erste Kennzahl anfängt.

Diese drei gelten für alle neun. Wer sie anders setzt, bekommt andere Zahlen, und das ist völlig in Ordnung, solange er dazuschreibt, wie er sie gesetzt hat.

  1. Die Einheit ist die abgerechnete Einheit, nicht der Auftrag. Eine dreigliedrige Brücke sind drei Einheiten. Ein Auftrag mit zwei Kronen und einer Schiene sind drei Einheiten. Wir zählen so, weil die Arbeit an der Einheit hängt und nicht am Briefumschlag. Wer nach Aufträgen zählt, bekommt bei gleichem Betrieb systematisch niedrigere Raten.
  2. Der Bezugszeitraum ist ein abgeschlossenes Kalenderjahr. Nicht die letzten zwölf Monate, nicht das laufende Jahr, nicht ein guter Quartalsausschnitt. Abgeschlossen und rückwärts. Das kostet Aktualität und ist genau deshalb richtig: Wer mit laufenden Zahlen vergleicht, vergleicht Momentaufnahmen.
  3. Die Größenklasse ist die Zahl der Beschäftigten, Köpfe, nicht Vollzeitäquivalente. Vier Klassen: unter 10 · 10–24 · 25–49 · 50 und mehr. Inhaber zählen mit, Auszubildende zählen mit, Aushilfen zählen mit, Fremdpersonal zählt nicht.

Neun Kennzahlen

Was zählt. Was nicht zählt.
Wann die Uhr startet.

Jede Definition hat denselben Aufbau: die Formel, was ausdrücklich mitzählt, was ausdrücklich nicht mitzählt, dazu der Satz, an dem sich die meisten Auswertungen entscheiden.

K1

Externe Reklamations­quote

Einheiten mit Gutschrift oder kostenloser Neuanfertigung ÷ ausgelieferte Einheiten × 100

Zählt mit: jede Einheit, für die eine Gutschrift erteilt wurde, und jede, die ohne neue Rechnung noch einmal gefertigt wurde. Unabhängig davon, wer den Fehler verursacht hat.

Zählt nicht mit: Nacharbeit, die im Haus bleibt und die Praxis nie sieht (das ist K2). Preisnachlässe aus Kulanz ohne Qualitätsbezug. Umarbeitungen, die die Praxis beauftragt und bezahlt.

Wem die Zahl etwas sagt: der Praxis und ihrem Einkauf. K1 ist das, was draußen ankommt.

Der Satz, der den Unterschied macht: Verursacherfrage ausdrücklich egal. Wer nur die eigenen Fehler zählt, misst sein Selbstbild, nicht seinen Prozess.

K2

Interne Nacharbeits­quote

Einheiten mit mindestens einem ungeplanten Arbeitsgang ÷ gefertigte Einheiten × 100

Zählt mit: jeder Arbeitsgang, der im Soll-Prozess nicht vorgesehen ist. Noch einmal brennen, noch einmal anpassen, noch einmal fräsen, Rückgabe an die Vorstufe.

Zählt nicht mit: geplante Zwischenschritte, auch wenn sie aufwendig sind. Die zweite Anprobe, die im Behandlungsplan steht, ist keine Nacharbeit.

Wem die Zahl etwas sagt: dem Labor selbst. K2 bleibt im Haus und zeigt, was die Praxis nie sieht. Mit K1 wird sie nie zusammengerechnet.

Der Satz, der den Unterschied macht: Es zählt die Einheit, nicht der Arbeitsgang. Dreimal nachgearbeitet ist eine Einheit, nicht drei. Sonst belohnt die Kennzahl das Aufgeben.

K3

Durchlaufzeit Standardkrone

Kalendertage vom Auftragseingang bis zum Versand, Median über alle Einzelkronen

Startpunkt: der Auftragseingang. Der Moment, in dem der Auftrag im Haus ist. Nicht der Modelleingang, nicht die Freigabe, nicht der Beginn der Bearbeitung.

Zählt mit: Kalendertage inklusive Wochenenden und Feiertagen. Wartezeit auf die Praxis. Wartezeit auf Fremdleistung.

Zählt nicht mit: nichts. Genau das ist der Punkt.

Der Satz, der den Unterschied macht: Median, nicht Mittelwert. Ein einziger Sonderfall über sechs Wochen hebt einen Mittelwert so weit an, dass er nichts mehr aussagt.

K4

Termintreue

Einheiten, die am zugesagten Tag oder früher versandt wurden ÷ ausgelieferte Einheiten × 100

Maßgeblich ist die erste Zusage, nicht die zuletzt verschobene. Wer den Termin einmal verschiebt und ihn dann hält, hat ihn nicht gehalten.

Zählt nicht mit: Aufträge ohne zugesagten Termin. Die gehören in eine eigene Zeile. Der Anteil ist oft die interessantere Zahl.

Der Satz, der den Unterschied macht: Verschiebungen auf Wunsch der Praxis zählen als gehalten, wenn sie schriftlich vorliegen. Mündlich ist keine Verschiebung, sondern eine Erinnerung.

K5

Rückfragen­quote

Aufträge mit mindestens einer Rückfrage an die Praxis ÷ eingegangene Aufträge × 100

Hier zählen Aufträge, nicht Einheiten. Weil die Rückfrage am Auftrag hängt und nicht am Zahn. Das ist die einzige Ausnahme von Festlegung 1, und sie steht hier ausdrücklich.

Zählt mit: jede Nachfrage, die den Auftrag anhält. Fehlende Bisslage, unklares Implantatsystem, fehlende Farbe, unleserliche Angabe.

Zählt nicht mit: Terminabsprachen. Fachliche Beratung, die die Praxis von sich aus sucht.

Der Satz, der den Unterschied macht: Es zählt der Anhalter, nicht das Gespräch. Ein Anruf, bei dem die Arbeit weiterläuft, ist keine Rückfrage in diesem Sinne.

K6

Fluktuation

Austritte im Jahr ÷ durchschnittliche Beschäftigtenzahl × 100

Zählt mit: jede Beendigung des Arbeitsverhältnisses, gleich von welcher Seite. Auch die einvernehmliche.

Zählt nicht mit: Renteneintritt. Auszubildende, die nach bestandener Prüfung planmäßig gehen. Befristungen, die auslaufen wie vereinbart.

Der Satz, der den Unterschied macht: Die Kündigung durch den Betrieb zählt mit. Eine Fluktuationszahl, die nur die freiwilligen Abgänge enthält, misst Beliebtheit statt Stabilität.

K7

Ausbildungs­quote

Auszubildende ÷ Beschäftigte gesamt × 100, Stichtag 31. Dezember

Zählt mit: alle Ausbildungsjahre. Umschüler. Nicht nur die eigenen. Auch übernommene Ausbildungsverhältnisse.

Zählt nicht mit: Praktikanten. Werkstudenten. Meisterschüler, die kein Ausbildungsverhältnis im Betrieb haben.

Der Satz, der den Unterschied macht: Stichtag statt Durchschnitt. Ein Betrieb, der im Sommer vier übernimmt und im Herbst vier neue einstellt, soll nicht doppelt zählen.

K8

Vertretbarkeit

Rollen, die nur eine Person beherrscht ÷ definierte Rollen × 100

Im Vertretbarkeits-Matrix zählen Score 1 und Score 2. Bei Score 2 kann eine zweite Person die Rolle nur mit Anleitung. Allein und ohne Rückfrage kann es also weiterhin nur eine.

Eine Rolle ist ein abgegrenzter fachlicher Ablauf, keine Abteilung. „Keramik“ ist keine Rolle. Schichten, Ausarbeiten und Sinterkontrolle sind drei.

Beherrscht heißt: die Person kann die Rolle allein und ohne Rückfrage in üblicher Qualität und üblicher Zeit ausführen. Nicht: hat es schon mal gemacht.

Der Satz, der den Unterschied macht: Die Zahl steigt, wenn du ehrlicher wirst. Wer seine Rollen zum ersten Mal sauber schneidet, sieht, dass seine Vertretbarkeit erst einmal schlechter aussieht. Das ist kein Rückschritt, sondern der erste ehrliche Wert.

K9

Digitalisierungs­grad

Einheiten, die ohne physisches Modell entstehen ÷ gefertigte Einheiten × 100

Zählt mit: alles, was von der Datenaufnahme bis zur Fertigung durchgehend digital läuft.

Zählt nicht mit: Einheiten, für die ein Modell gedruckt oder gefräst wird. Ein gedrucktes Modell ist ein Modell. Auch der digital konstruierte Fall, der auf einem physischen Modell fertiggestellt wird, zählt nicht.

Der Satz, der den Unterschied macht: Diese Definition ist absichtlich streng. Nach der weichen Lesart („irgendwo war ein Rechner beteiligt“) liegt fast jedes Labor bei 90 %. Und die Zahl sagt nichts mehr.

Die Lücke, die kein Versehen ist

Drei Kennzahlen definieren wir bewusst nicht.

Sie wären die wertvollsten. Genau deshalb stehen sie nicht hier.

Preise, Stundensätze, Deckungsbeiträge je Falltyp

Diese drei sammle und vergleiche ich nicht. Nicht weil sie uninteressant wären, sondern weil sie zwischen Wettbewerbern nicht in einen gemeinsamen Topf gehören. Ein abgestimmtes Preisniveau ist kein Benchmark, sondern ein Kartell. Und der Weg dorthin führt über gut gemeinte Durchschnittswerte.

Auf phils.ai.lab gibt es deshalb Rechner, die dir deinen Deckungsbeitrag ausrechnen, und keinen einzigen, der ihn irgendwohin schickt. Die Zahl bleibt in deinem Browser. Das ist keine technische Einschränkung, sondern eine Entscheidung.

Dasselbe gilt für alles Zukunftsgerichtete: geplante Investitionen, geplante Kapazitäten, geplante Preisanpassungen. Vergangenheit darf verglichen werden, Absicht nicht.

Wenn du für dein Labor eine Deckungsbeitragsrechnung brauchst, die gibt es: sie steht im Auslastungs-Werkzeug und rechnet ausschließlich lokal. Für den Vergleich mit anderen ist der richtige Ansprechpartner dein Steuerberater oder eine Branchenauswertung, die genau dafür gemacht ist.

Was das mit dem Vergleich zu tun hat

Ohne diese Seite
ist ein Benchmark wertlos.

Ich baue gerade einen anonymen Rücklauf für genau diese neun Kennzahlen. Damit es in der deutschen Zahntechnik zum ersten Mal einen veröffentlichten Vergleichswert gibt und nicht nur Messegerede. Der Rücklauf funktioniert nur, wenn alle dasselbe zählen. Deshalb kam diese Seite zuerst.

Warum nicht einfach US-Zahlen nehmen? Dort liegt die Remake-Rate bei Kronen um 4 %. Für Deutschland ist das zu niedrig angesetzt: Teleskopkronen und Kombinationszahnersatz gibt es in den USA kaum, bei uns lösen genau sie die meiste Nacharbeit aus. Öffentliche deutsche Vergleichswerte gibt es nicht, deshalb der Rücklauf.

  • Ein Wert wird erst angezeigt, wenn mindestens fünf unabhängige Betriebe in derselben Größenklasse liegen
  • Veröffentlicht werden Quartile, keine Einzelwerte. Kein Bestwert, kein Schlechtwert
  • Gesendet werden je Spende fünf Angaben: welche Kennzahl, der Wert, die Größenklasse, das Land und die Version der Zählregel. Kein Name, keine E-Mail, keine Kennung
  • Der Datensatz wird als Datei veröffentlicht, sobald er trägt. Damit jeder nachrechnen kann
  • Preise, Stundensätze und Deckungsbeiträge sind ausgeschlossen
Ich kann deinen Datensatz später nicht finden und nicht löschen. Das ist der Preis dafür, dass ihn auch sonst niemand finden kann.

Wer die Daten hält: phils.ai.lab, technisch getrennt von Zahntechnik Scharl. Deine IP-Adresse wird nicht gespeichert, und es wird kein Cookie gesetzt. Gespeichert werden je Spende fünf Angaben: Kennzahl, Wert, Größenklasse, Land und die Version der Zählregel. Das eigene Labor bekommt keinen Zugriff auf Rohzeilen, ausgewertet wird ausschließlich in Quartilen ab fünf Betrieben je Zelle, und die Aggregate sind öffentlich, nicht nur für Teilnehmer. Werte außerhalb der plausiblen Spanne einer Kennzahl werden verworfen, damit ein Tippfehler die Quartile nicht verschiebt. Sobald ein Verband oder eine Innung den Datensatz übernehmen will, wandert er mit. Er ist eine Textdatei.

Änderungsprotokoll

Was sich wann geändert hat.

  • Version 1.0 · 5. August 2026. Erste Fassung, neun Kennzahlen, drei Grundfestlegungen

Definitionen werden hier nie stillschweigend geändert. Eine geänderte Zählregel bekommt eine neue Versionsnummer, und alte Werte behalten die Version, unter der sie erhoben wurden. Ein Vergleichswert, dessen Definition sich unbemerkt verschiebt, ist schlimmer als gar keiner.

Wo diese Kennzahlen vorkommen

Die Werkzeuge dahinter.

K2, K3, K4, K5, K7 und K9 sind noch ohne Werkzeug. Die Definitionen gelten trotzdem schon, damit du heute so zählst, wie später verglichen wird.